Der Gemeindewald ist kein beliebiges Grundstück. Er ist Bürgerwald – kommunales Eigentum und Vermögen auch kommender Generationen.

Wer heute über seine langfristige Nutzung entscheidet, stellt deshalb Weichen für Jahrzehnte.

Wie sehr das geplante Windenergieprojekt die Menschen bewegt, zeigte die jüngste Informationsveranstaltung: eine übervolle Festhalle, großes Interesse und viele offene Fragen. Bedauerlich war, dass der Projektierer enercity an diesem Abend nicht vertreten war. Gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung wäre es wichtig gewesen, Fragen unmittelbar an den Projektierer richten und Antworten aus erster Hand erhalten zu können.

Auch das Bürgervotum spricht eine klare Sprache: Mehr als 70 Prozent der Wahlberechtigten haben mit ihrer Unterschrift ihre Ablehnung gegenüber der Windkraft zum Ausdruck gebracht. Ein derart deutliches Signal aus der Bürgerschaft sollte bei einer Entscheidung von solcher Tragweite angemessen berücksichtigt und nicht übergangen werden.

Natürlich entscheidet am Ende der Marktgemeinderat. Aber wer entscheidet, muss zuhören, offene Fragen ernst nehmen und die Interessen der unmittelbar betroffenen Ortsteile angemessen berücksichtigen.

Gerade mit Blick auf Hobbach stellt sich deshalb eine einfache Frage:

Würde ich genauso entscheiden, wenn ich selbst dort leben würde und mein eigenes Lebensumfeld betroffen wäre?

Für alle Ortsteile muss derselbe Maßstab gelten!

Sollte das Projekt dennoch realisiert werden, gehört zu einer fairen Abwägung auch die Frage:

Welcher verlässliche Anteil des kommunalen Nutzens kommt dauerhaft dort an, wo die unmittelbaren Auswirkungen getragen werden?

Aus meiner Sicht sollte deshalb ein fest definierter jährlicher Betrag oder Anteil zusätzlich dem besonders betroffenen Ortsteil zugutekommen.

Wo Belastungen unmittelbar entstehen, sollte auch ein verlässlicher Teil des Nutzens unmittelbar ankommen.

Ebenso wichtig ist der Faktor Zeit. Nicht der Zeitplan eines Projektträgers darf den Takt vorgeben. Wenn kommunales Eigentum über Jahrzehnte gebunden werden soll, müssen vorher die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und vertraglichen Folgen nachvollziehbar geklärt sein.

Der Bürgermeister hat angekündigt, dass über diesen Punkt in der kommenden öffentlichen Gemeinderatssitzung abgestimmt werden soll. Damit haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, die Beratung und die Abstimmung unmittelbar mitzuerleben.

Sie können sich selbst ein Bild davon machen, welche Argumente ausgetauscht werden, welche offenen Fragen noch eine Rolle spielen und wie die gewählten Gemeinderäte am Ende entscheiden.

Gerade bei einer Entscheidung mit Folgen über viele Jahre ist diese Öffentlichkeit wichtig. Sie macht nachvollziehbar, wie mit den vorgebrachten Bedenken, den Interessen der betroffenen Ortsteile und dem Bürgervotum umgegangen wird.

Die Entscheidung fällt öffentlich – und jeder interessierte Bürger kann sie vor Ort mitverfolgen.

Am Ende sollte sich jeder Entscheidungsträger eine Frage stellen:

Kenne ich die wesentlichen Fakten und langfristigen Folgen so genau, dass ich diese Entscheidung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und auch gegenüber kommenden Generationen vertreten kann?

Denn es geht um mehr als einen Vertrag.

Es geht um unseren Bürgerwald, um kommunales Eigentum und um die Menschen, die die Auswirkungen unmittelbar vor Ort tragen.

Unsere Heimat. Unser Bürgerwald. Unsere Verantwortung.

Erst die Fakten kennen.
Den Bürgerwillen ernst nehmen.
Fair abwägen.
Dann entscheiden.