Eschau/Hobbach. Unsere Zukunft braucht neue und verlässliche Energieformen. Auch Windenergie kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade bei Anlagen im Wald braucht es jedoch eine besonders sorgfältige Abwägung.
Denn Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume.
Er ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Kohlenstoffspeicher, Wasserspeicher und Filter für unser Grundwasser. Er hält Niederschläge zurück, schützt den Boden, beeinflusst das lokale Klima und sorgt gerade an heißen Tagen für natürliche Kühlung.
Diese Funktionen gewinnen angesichts zunehmender Hitze und längerer Trockenperioden weiter an Bedeutung. Waldböden speichern Wasser, Bäume spenden Schatten und durch Verdunstung wird der Umgebung Wärme entzogen.
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, welchen Wert Grün inzwischen selbst in dicht bebauten Regionen besitzt. Singapur versucht seit Jahren, zusätzliche Bäume und Grünflächen in die Stadt zurückzubringen – unter anderem, um Hitze zu reduzieren und Lebensräume zu verbinden.
Wenn andernorts mit großem Aufwand neue Grünstrukturen geschaffen werden, sollten wir umso bewusster mit dem zusammenhängenden Wald umgehen, den wir bereits haben.
Beim Vorranggebiet W38 „Häuschenshöhe“ geht es deshalb nicht nur um die unmittelbaren Standorte einzelner Windenergieanlagen. Hinzu kommen Zuwegungen, Kran- und Montageflächen, Kabeltrassen und weitere notwendige Infrastruktur.
Je mehr Wege, Schneisen und dauerhaft beanspruchte Flächen entstehen, desto wichtiger wird die Betrachtung des Waldgebiets als Ganzes.
Denn die Zerschneidung eines zusammenhängenden Waldgebiets kann Auswirkungen auf Lebensräume und Wanderkorridore von Tieren ebenso haben wie auf Boden, Wasserhaushalt und das lokale Waldklima.
Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei das Thema Wasser. Wald gehört zu den grundwasserschonendsten Formen der Landnutzung. Deshalb sollte transparent dargestellt werden, welche Bedeutung die Häuschenshöhe für Grundwasserneubildung, Wasserrückhalt und Trinkwasserschutz besitzt und ob Wasserschutzgebiete oder relevante Einzugsbereiche durch Anlagen, Wege oder Kabeltrassen berührt werden können.
Auch weitere sensible Rahmenbedingungen gehören in die Betrachtung. In den Planungsunterlagen wird auf die seismologische Messstation in Eschau hingewiesen. Für die konkrete Anlagenplanung muss deshalb nachvollziehbar sein, ob zusätzliche Untersuchungen, Messungen oder technische Maßnahmen erforderlich werden.
Auch notwendige Gutachten und projektbedingte Untersuchungen müssen von Anfang an mitgedacht und als Projektkosten berücksichtigt werden – nicht als spätere Belastung für die Kommune.
Gerade wenn der Markt Eschau darüber entscheiden soll, zusätzliche Flächen des Gemeindewaldes für Windenergieanlagen bereitzustellen, müssen deshalb nicht nur die einzelnen Standorte bekannt sein. Auch die Auswirkungen auf die Funktionen des Waldes insgesamt gehören auf den Tisch.
Was bedeuten zusätzliche Anlagen, Wege und Schneisen für den zusammenhängenden Wald? Welche Auswirkungen entstehen für Wasser, Boden, Klima und Lebensräume? Und welche zusätzlichen Schutz- und Untersuchungsanforderungen müssen berücksichtigt werden?
Sie gehören zu einer verantwortungsvollen Abwägung, wenn Windenergie im Wald entstehen soll.
Denn Klimaschutz bedeutet nicht nur, erneuerbaren Strom zu erzeugen. Klimaschutz bedeutet ebenso, natürliche Kohlenstoffspeicher, Wasserhaushalt, Artenvielfalt und die kühlende Wirkung unserer Wälder im Blick zu behalten.
Unser Wald. Unser Klima. Unsere Verantwortung.
Erst alle Funktionen kennen. Dann Eingriffe bewerten. Dann entscheiden.
Schreibe einen Kommentar